Chinesische Philosophie als Grundlage der chinesischen Medizin

Yin und Yang

Das wahrscheinlich wichtigste Konzept der Chinesischen Medizin ist das von Yin und Yang. Es unterscheidet sich radikal von jeglichen westlichen philosophischen Ideen. Die westliche Logik basiert auf der Gegenüberstellung von Gegensätzen (= Grundannahme der aristotelischen Logik). Danach ist etwas entweder weiß oder schwarz, hart oder weich, hell oder dunkel.

Yin und Yang dagegen repräsentieren gegensätzliche, jedoch einander ergänzende Eigenschaften. Jedes Ding kann gleichzeitig es selbst und sein eigener Gegensatz sein. Außerdem enthält Yin den Keim des Yang und umgekehrt.

Der erste Gedanke an die Yin-Yang Wechselbeziehung muss wohl der bäuerlichen Beobachtung des zyklischen Wechsels von Tag und Nacht entsprungen sein. Wie Tag und Nacht sind Yin und Yang zwei Stadien einer zyklischen Bewegung, wobei ununterbrochen eines ins andere übergeht.  Demnach entspricht der Tag dem Yang, die Nacht dem Yin und in Folge die Aktivität (Arbeit am Tag) dem Yang, ebenso wie Licht, Sonne, Helligkeit, weiß; und Ruhe dem Yin, so wie Dunkelheit, Mond und Schatten.

Letztlich wurde das ganze Universum in Yin und Yang eingeteilt. Auch der menschliche bzw. tierische Körper wird in der chinesischen Medizin im Licht der Yin-Yang Theorie analysiert. Jedes Krankheitszeichen, jedes Körperteil, jede Körperstruktur, jedes Organ wird unter Yin-Yang Aspekten betrachtet und eingeteilt und auch die Therapie von Krankheiten zielt oft auf einen Ausgleich der Yin-Yang Energien.

Qi

Aus altchinesischer Sicht ist Qi die Basis von allem. Es ist etwas gleichzeitig Materielles und Inmaterielles. Es ist gleichzeitig Materie und Energie. D.h. Qi kann in verschiedenen Abstufungen von Substanzhaftigkeit vorkommen, die interagieren, um einen Organismus zu formen.

Zhu Xi (1131-1200):“Wenn sich Qi verdichtet, so formt es Wesen“
Albert Einstein: "E=mc2"

Die Aufgaben des Qi im Organismus sind vielgestaltig. Es wandelt Nahrung und Luft in Energie (Qi) um und verteilt diese im Körper. Qi bewegt Qi, nach Oben, Unten oder in alle Richtungen, je nachdem, um was für Qi es sich handelt.  Wichtig für die Gesundheit ist, dass das Qi ungestört fließen kann, und zwar in die jeweils richtige Richtung. Ist das nicht gegeben, entsteht nach chinesischer Sicht Krankheit. Das Qi hält auch die Organe an ihrem Platz und das Blut in den Gefäßen. Es wärmt den Körper und schützt ihn vor äußeren pathogenen Faktoren.

Beispiele: Das Milz Qi hält die Organe an ihren Plätzen. Vorfälle von Organen, z.B. Rektumvorfälle werden einer Milz Qi Schwäche zugeordnet und können durch Stärken der (chinesischen) Milz behandelt werden. Das Magen Qi soll abwärts fließen. „Rebelliert“ es und fließt aufwärts, kann es zu Erbrechen kommen.

Die Fünf Elemente

Die Fünf Elemente in der chinesischen Philosophie sind: Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde.

Die Theorie der fünf Elemente (oder Fünf Wandlungsphasen) entstand ein paar Jahre später als das Yin-Yang Konzept und wurde zu verschiedenen Zeiten verschieden wichtig genommen. Die Kernaussage dieser Theorie ist, dass vieles, was in der Natur beobachtet wird, einem einzelnen Element zugeordnet werden kann, z.B. die Jahreszeiten, Nahrungsmittel, Klima, aber auch Organe, Sinnesorgane, Emotionen etc. .

Zum Beispiel gehört die Trockenheit zu Element Metall, genauso wie die Lunge, die Haut, die Nase und der Herbst. Auch wir Menschen im Westen wissen, dass Trockenheit Haut und Schleimhäute angreift, oder dass die meisten Erkältungs-krankheiten im Herbst vorkommen. Diese Zusammenhänge erleichtern dem nach TCM (Traditioneller Chinesischer Medizin) praktizierenden Mediziner die Zuordnung einzelner Symptome. Der gerade beschriebene Patient leidet also an einer Störung im Bereich der Lunge (Element Metall).  Es werden also Akupunkturpunkte gewählt, die das Lunge-Qi stärken und die Schleimhäute befeuchten. Außerdem wird das Wei-Qi gestärkt. Das ist das chinesische Äquivalent zu unserem Immunsystem. In der chinesischen Medizin schützt das Wei-Qi den Körper vor Angriffen von Wind, Trockenheit, Hitze, Nässe und Kälte, die äußeren pathogenen Faktoren der alten Chinesen, denn diese kannten noch keine Viren oder Bakterien. Interessant ist,  dass die neuzeitliche Forschung festgestellt hat, dass nach Akupunktur der Punkte zur Stärkung des Wei-Qi die Zellen des Immunsystems aktiviert werden und die Interferonausschüttung steigt, also Mechanismen zur Abwehr von Viren und Bakterien aktiviert werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Elemente in bestimmten Zyklen stehen, der ihre Beziehung zueinander definiert. Diese beschreiben recht effektiv wie sich die Organe gegenseitig beeinflussen, insbesondere wenn eines erkrankt. Auch in der Therapie ist dieses Modell sehr hilfreich. So kann man ein erkranktes Organ nicht nur behandeln, indem man es stärkt, sonder auch, indem man ein anderes Organ, das mit dem erkrankten in Bezug steht und zu stark ist, schwächt. Man kann auch Energie von dem zu starken Element zu dem zu schwachen „umleiten“. Dies geschieht z.B. durch stechen einer Akupunkturnadel an den dafür geeigneten Akupunkturpunkt.